SECRET COMMUNICATION – 88 – DAS LEBEN DER HEDY LAMARR

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Nach intensiver Recherchearbeit habe ich gemeinsam mit Erik Jan Rippmann ihr Leben zu einem Theaterstück verdichtet.

Sie war die erste Nackte der Filmgeschichte.

Sie war die schönste Frau der Welt.

Sie war Hollywoodstar.

Sie war die Erfinderin der Mobilfunkkommunikation!

… bewundert, verehrt, vergessen. Eine österreichische Ikone! „Die Welt ist mir was schuldig“ empört sie sich lautstark, als sie 1991 verarmt bei einem Kaufhausdiebstahl ertappt wird. Diese Begebenheit bildet den Ausgangspunkt für mein Stück „Secret communication 88 Das Leben der Hedy Lamarr“, das sich dieser vielschichtigen spannenden Persönlichkeit widmet, die wie keine andere die Kommunikations – und Sozialgeschichte der Menschheit verändert hat.

Die UA fand am 07.11.2013 im Grazer TTZ statt und wurde sowohl von Presse und Publikum bestens aufgenommen. So schreibt die Kronenzeitung:“Eine Produktion, die man sich nicht entgehen lassen sollte!“ Kleine Zeitung: „Kunstvoll nähert sich Theater Kaendace dem Mythos Hedy Lamarr“

Aufgrund des großen Erfolges und des Interesses vieler Menschen am Mythos Hedy Lamarr sind Gastspielserien in Klagenfurt, Innsbruck und Wien geplant.

Wer war nun Hedy Lamarr?

Als am 28.01.1966 eine etwa 50-jährige Frau bei einem Ladendiebstahl am Wilshire-Boulevard- Los Angeles- ertappt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten wurde, war dies wohl ein neuerlicher schmerzhafter Tiefpunkt im Leben der ehemaligen Hollywood-Diva und schönsten Frau der Welt, Hedy Lamarr. Ihr wechselhaft, vielschichtiges Leben lässt sich wie ein Kaleidoskop der Kultur- Film- und Technikgeschichte des 20. Jahrhunderts lesen.

Als Hedwig Maria Kiesler am 9.Nov. 1913,1914 oder 1915 zur Welt kam (beide Eltern jüdischer Herkunft, Vater der aus Lemberg stammende geschäftige Direktor der Wiener Creditanstalt Emil Kiesler, Mutter, die aus Budapest stammende ausgebildete, den Beruf allerdings nie ausübende Konzertpianistin Gertrud Kiesler geb.Lichtwitz), tobte gerade der „Grosse Krieg“ im alten Europa. Dieser schreckliche, das bisherige Europa grundlegend verändernde Krieg, wurde schon Jahre zuvor von der damaligen neuen Kunst- und Kulturbewegung der Futuristen (Marinettis Gründungsmanifest des Futurismus erschien 1909 in Paris) gefordert.

Sie verstanden den Krieg und den Tod im Krieg als Katharsis der bürgerlichen Gesellschaft und sahen im Tod auf dem Schlachtfeld die höchste ästhetische Vollendung der Kunst. Dieser neuen revolutionären Kunstrichtung, die formal einen Zusammenschluss von Leben (alltäglichen Lebensumständen) und künstlerischer Ver- und Bearbeitung dessen, forderte, schlossen sich viele Schriftsteller, Musiker, Maler, Architekten, Theaterschaffende und Aktionisten an. U.a. auch der aus Trenton/New York stammende Pianist und Komponist George Antheil, dessen 1926 uraufgeführtes Werk „Ballet mecanique“ ein großer Skandal, der Saaltumulte zur Folge hatte, war.

In formaler Hinsicht scheiterte Antheil aber bei der Umsetzung dieser rhythmisch äußerst exakten und handwerklich hervorragenden Komposition für 16 Pianolas, zwei Flugzeugturbinen, Propeller und großem Schlagwerk, an der Unmöglichkeit, die Frequenzen der 16 Pianolas zu synchronisieren.

Hedwig Kiesler brach ihre Schulbildung ab, da ihr Schulweg sie an den Sascha- Filmstudios (einer der Teilhaber an der Sascha Filmprod. Gesellschaft war ihr späterer Mann und Chef der „Hirtenberger Patronenfabrik“ Fritz Mandl) in Sievering vorbeiführte, in denen im Jahr 1930 gerade der erste österreichische Tonfilm „Geld liegt auf der Strasse“ mit Rosa Albach-Retty und Hans Moser (Regie: Georg Jacoby) gedreht wurde und sie als Filmbegeisterte als Scriptgirl anheuerte und auch mit einer Nebenrolle betraut wurde.

Es folgte ein weiterer Film (Sturm im Wasserglas) und alsbald wurde man auch in Berlin auf die junge Schauspielerin aufmerksam und engagierte sie für die Hauptrolle in der Zeitsatire „ Man braucht kein Geld“ neben Heinz Rühmann. In der New York-Times (der Film lief unter dem Titel „ His Majesty, King Ballyhoo“ auch in den USA) stand zu lesen: “The Girl, who neatly demonstrates that German and Austrian movie actresses need not necessarily all be Marlene Dietrich.“ In Berlin fundierte sie ihr schauspielerisches Talent, indem sie Unterricht bei Max Reinhardt nahm, der sie auch in zwei seiner Inszenierungen einsetzte (Das schwache Geschlecht und Private Lives).

Nach weiteren Filmrollen wurde ihr, sie war 17 Jahre jung, die Hauptrolle in Gustav de Machatys (Prager Regisseur) Film „Ekstase – Symphonie der Liebe“ angeboten.

Der 1933 uraufgeführte Film geriet zum Skandal und Welterfolg, da er die erste Nacktszene der Filmgeschichte enthielt. Hedwig Kiesler, die erste Nackte auf der Leinwand, erlangte damit Weltruhm.

1932 kehrt sie nach Wien zurück und spielt im Theater an der Wien die Hauptrolle und Titelfigur (als Zweitbesetzung von Paula Wessely) in Fritz Kreislers Operette „Sissi“ (mit dem Vater von Romy Schneider, Wolf Albach Retty, hatte sie, auch er bei Reinhardt engagiert, in Berlin ein freundschaftlich-intimes Verhältnis). Dort heiratet sie am 10. August den Milliardär, Waffenproduzenten und Chef der Hirtenberger Patronenfabrik Fritz Mandl, der wie sie jüdischer Herkunft war. Beide konvertierten zum Katholizismus und wurden nach katholischem Ritus in der Wiener Karlskirche getraut. Auf Geheiß ihres Gatten muss sie Ihren Beruf aufgeben und sie lebt unter ständiger Kontrolle im goldenen Käfig. Ihre Rolle beschränkt sich auf die Gastgeberin und Dame des Hauses bei den geschäftlich wichtigen Abendgesellschaften im Hause Mandl. Bei den Diners dort wird oft die Möglichkeit der technischen Realisierung funkgesteuerter Waffensysteme erörtert, deren Frequenzen nicht sofort vom Feind mithilfe von Ortungsgeräten abgetastet und decodiert werden können.

Hedwig Kiesler-Mandl nimmt als schweigende Zuhörerin an diesen Diskussionen teil, merkt sich technische Detailinformationen, angedachte, aber noch nicht realisierbare Möglichkeiten der Problemlösung und beschäftigt sich autodidaktisch mit dem Problem der Synchronisierung von Frequenzen, dessen Lösung sie einige Jahre später zusammen mit dem Musiker George Antheil als Patent unter dem Titel „Frequenzsprungverfahren“ beim amerikanischen Patentamt einreicht. 1937 flüchtet sie auf abenteuerliche Weise aus der Ehe und lässt sich in Paris von Mandl wegen seelischer Grausamkeit scheiden.

Kurze Zeit später in London trifft sie auf Louis B. Mayer, dem Chef der weltgrössten Filmproduktionsfirma „MGM“ (Metro Goldwyn Mayer). Er nimmt sie unter Vertrag, ändert ihren Namen zu Ehren des verstorbenen Stummfilmstars Barbara LaMarr in Hedy Lamarr um. Mit ihrem ersten Streifen „ Algiers“ versetzte sie die Kinobesucher in Erstaunen und machte sich über Nacht einen Weltnamen.

In den folgenden Jahren wurde sie zur Trendsetterin, zur Stil- und Modeikone, galt als die schönste Frau der Welt und wurde zur bestbezahlten Schauspielerin Hollywoods.

Ehen (6) und Scheidungen wechselten einander ab. 1940 sucht sie George Antheil, den Bad Boy der Musik, auf, der sie als Endokrinologe über die Möglichkeit einer Brustvergrößerung beraten soll. Zusammen mit ihm entwickelt sie das Gerät zur abhör -und steuerungssicheren Funksteuerung für Torpedos. Nachdem sie sich auch als Filmproduzentin versucht, erleidet sie finanziellen Schiffbruch.

1958 ist ihre Karriere in Hollywood zu Ende und auch die Rechte am Patent des Frequenzsprungverfahrens laufen aus, dessen technische Umsetzung jedoch nicht bis zu jenem Zeitpunkt stattfand. Das Verfahren erfährt erst im Jahr 1962 während der „Kubakrise“ seine erste militärische Nutzung. Im Jahr 1997 wird sie dafür mit dem EFF-Pioneer-Award der Electronic Frontier Foundation ausgezeichnet, nachdem sie auch als Schauspielerin vergessen, sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte.

Der „Tag der Erfinder“ wird ihr zu Ehren an ihrem Geburtstag am 9.November gefeiert. Am 19. Jänner 2000 verstarb die Diva und Erfinderin, die kalte Marmorgöttin und ehemals schönste Frau der Welt in Altamonte Springs/Florida.

Produktion: Theater Kaendace Graz

Spielort: TTZ Graz

Premiere am 07.11. 2013

Vorstellungen: 08., 09., 12., 13., 14.; 15., 16., 22. und 23. November, jeweils 20 Uhr

Hedy Lamarr: Klaudia Reichenbacher und Ildiko Babos

Mann 1: Felix Krauss

Mann 2: Michael Merkusch